Kunstprojekte

 

ZusammenWachsen

 

Mütter und Künstlerinnen haben sich seit Jänner 2017 auf verschiede­nen Ebenen alleine und gemeinsam mit dem Thema ZusammenWachsen beschäftigt. „Was braucht mein Kind, was brauche ich, was brauchen wir als Familie, was braucht unsere Gesell­schaft und was heißt ZusammenWach­sen für mich überhaupt“ waren dabei die wichtigsten Fragestellungen der Frauen, welche ihren Ausdruck in un­terschiedlichen künstlerischen Medien gefunden haben. Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte mit Farben und Leinwand, Fotografien, Ton und Speckstein, aber auch im Schreiben, sowie mit Musik und Tanz.

 

 

 

Geleitet von den verschiedenen künstlerischen Medien haben sich die Teilnehmerinnen auf unterschiedliche Gedankenprozesse und Gestaltungskräfte eingelassen und in den Prozessen ihre Vorstellungen in ihre Werke eingebracht.

Im Rahmen der Veranstaltung waren Werke der Mütter und Kinder sowie Kunstwerke und Präsentationen der beteiligten Künstlerinnen gemeinsam zu sehen und hören – ein weiteres Zusammenwachsen mit Künstlerinnen und BesucherInnen. Ein paar Einblicke zur Veranstaltung gibt es unter „Aktuelles“

 

 

 

 

Magic Reality

 

Doris Schretzmayer

In einer Rolle für einen Film oder in einem Theaterstück recherchiere ich intensiv Biographie und Lebensum­stände, bevor ich mit dieser Person eins werde. Frauen und ihr Umgang mit Mutterschaft und ihrer Weiblichkeit sind darin mein zentrales Interesse. Und ich weiß: Veränderung ist möglich. Jederzeit. In Momenten, für Momente, Momente sind Realität, werden Realität.

Grow Together heißt auch: aus sich herauswachsen – in andere Gedanken, Räume, Möglichkeiten. So kam auch der Impuls, Jasmin im Kunsthistorischen Museum aufzufor­dern, sich 3 Bilder auszusuchen: Eines für ihre Vergangenheit, eines für die Gegenwart und eines, in dem sie ihre Zukunft sieht. Das Ergebnis hat mich fasziniert …

 

 

 

 

Kontakt. Einander berühren.

 

Miriam Kruppa

Die Performance gibt Einblick in den Erarbeitungs- Prozess, in dem die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper auf verschiedene Weise thematisiert wurde.

Im alltäglichen Handeln- in routinierten Bewegungsmustern von Mutter-Kind Interaktion, steckt eine wunderschöne tänzerische Qualität, die Grundlage des Bewegungsmaterials des Stückes ist. Durch dieses Aufgreifen der eigenen Bewegungsmuster werden die Mütter zu den Choreografinnen. Der Körper trägt unsere Lebensge­schichte in sich und dient in der Performance als Transportmedium, das Erlebtes zum Ausdruck bringen kann/soll.

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche mir für dich.

 

Renate Lukaseder

Die Frage „Was wünsche ich mir“ fällt den Familien oft schwer. Zu viele Wünsche und Bedürfnisse sind nicht erfüllt worden und zu viele Enttäuschungen mussten sie bewältigen, um für das eigene Leben noch Wünsche zuzulassen. Anders verhält es sich, wenn es um die Wünsche für die eigenen Kinder geht. Mit einer Gruppen-Collage zu „Ich wünsche mir für dich“ lassen wir in der Gruppe gemeinsam die Ideen sprudeln. Gegenseitig inspirieren sich die Frauen zu noch mehr Wünschen und finden gemeinsam heraus, was wichtig für ihre Kinder ist.

Gemeinsam erträumen die Frauen für ihre Kinder eine sichere, geborgene und erfolgreiche Zukunft mit viel Freude, Gesundheit und Liebe. Sie wünschen ihren Kindern ein selbstbewusstes, selbstbestimmtes Leben in Offenheit und Freiheit.

Durch die Gruppe entsteht ein eindrucksvolles und ausdrucksstarkes Bild, in dem sich auch unsere Wünsche als Grow Together für die Kinder, aber auch unsere Wünsche für die kompletten Familien spiegeln.

Erst anhand der Wünsche für ihre Kinder können die Frauen beginnen, für sich neue Wünsche und Ziele zu entwickeln, die die Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Penelope und die Mütter

 

Doris Schretzmayer

Im Frühling vergangenen Jahres habe ich mich als Schauspielerin für die „Odyssee“ vorbereitet – ich sollte die Penelope spielen.

Es ist – unter anderem – eine große Geschichte über Liebe und Sehnsucht. Und während ich mich mit den Themen dieser Figur beschäftigte, fühlte ich eine immer stärker werdende Verbindung zu den Frauen, die im Rahmen von Grow Together betreut werden und mit denen ich gelegentlich an Rollen arbeite oder über Frauenbiografien spreche. Ich habe den Frauen den Inhalt erzählt. Alle stiegen sofort darauf ein:

 

 

 

„Immer darf der Mann gehen und Abenteuer erleben, während die Frau zuhause ans Kind gebunden ist und alles übernehmen muss“ – Wut und Enttäuschungen wurden offen ausgesprochen. Aber auch andere Emotionen: Dass Penelope die ganze Zeit auf ihren Mann gehofft hat und unter Aufbringung all ihrer Kräfte den Platz neben sich freigehalten hatte, fand eine der Frauen toll: „Treue macht stolz und stark“.

Eine weitere Frau in der Gruppe konnte sich wiederum mehr mit der verzweifelten Penelope identifizieren – sie meinte, dass es sich schrecklich anfühlt, mit der Verantwortung für Kind und Lebensunterhalt alleingelassen zu werden und dass es für Penelope vor fast 3000 Jahren sicherlich nicht leichter gewesen wäre als für Frauen heutzutage. Da fiel ihr eine weitere Frau aufgebracht ins Wort: „Aber die Frau vom Odysseus ist doch nicht allein! Sie hat Unterstützung am Hof, sie hat die Amme, ihre Schwiegereltern, Bedienstete – sie hat Menschen, die sie unterstützen und mit denen sie über alles reden kann! Die geben ihr Kraft und passen auch auf ihr Kind auf. Wenn man andere hat, ist alles halb so wild“.

Das war ein Moment, der alle berührte, mich im Besonderen – denn genau das ist es, was diese Frauen durch Grow Together erleben können …

 

 

 

 

Augen der Weiblichkeit

 

Renate Lukaseder, Kunsttherapeutin

Durch dieses Kunstprojekt wird den Müttern von Grow Together ein unbeschwerter Zugang zu sich selbst als Frau, trotz ihrer massiven traumatischen Erfahrungen, ermöglicht. Verschiedene Fotografien – auch die eigenen Augen – werden von den Frauen zu Collagen zusammengefügt, in der Gruppe von Grow Together, begleitet durch vertraute Menschen und durch die Kunsttherapeutin. Diese Bilder wurden im Rahmen der Ausstellung „Festival der Weiblichkeit“ der Öffentlichkeit präsentiert. Damit rückt für die Frauen der Aspekt, wie viel und was zeige ich von mir bzw. lasse ich andere sehen, in den Vordergrund.

 

 

 

 

Gedanken einer Schauspielerin

 

Doris Schretzmayer

Manchmal passiert es mir leider, dass ich einem Menschen aufgrund eines flüchtigen Eindrucks einen schnellen Stempel aufdrücke. Im Bus war mir vor ein paar Monaten eine fahrige Frau in abgerissenen Jeans und Piercings aufgefallen, sie ging grob mit ihrem Kind um, riss es am Arm, herrschte es an und schien ziemlich schlechte Laune zu haben – etwas in mir war entsetzt: „Was für eine Rabenmutter. Furchtbar, wie lieblos!“

Als ich im Sommer die Frauen im Rahmen von Grow Together kennengelernt habe, habe ich mich für mein damaliges Urteil geschämt. Ich lernte dort Frauen kennen, deren Schicksal unfassbar und unerhört ist und von dem ich mit Sicherheit sagen kann: Hä􀆩 e ich das erlebt, weiß ich nicht, wo ich heute wäre. Und ich sah die Mitarbeiterinnen, die diese Frauen in einer Gruppe begleiteten: Natürlich nehmen sie die Lebensgeschichte der Frauen und deren Auswirkung auf den Umgang mit sich selbst und das Verhalten zu ihren Babys wahr, aber sie bewerten oder kommentieren es nicht. Alles darf sein, wie es ist und dadurch entsteht eine leise, feine Atmosphäre der Geborgenheit, in der sich Umstände schließlich wandeln dürfen: Ein Raum, der geschützt, kraftvoll und frei von Urteil ist und den die Betreuerinnen mit feinen Fäden der Achtsamkeit umgeben. Ich glaube an Heilung, wenn der Rahmen dafür geschaffen wird – durch einen Umgang, der anders und sorgsamer ist als das bisher Erlebte und der langsam ein neues Gefühl von Wert wachsen lässt. Ich spürte, dass ich gern Teil dieses Raumes sein und mit meinen Erfahrungen als Schauspielerin den Frauen begegnen wollte. Wir haben nun begonnen, miteinander zu arbeiten – ich lese mit den Frauen Szenen aus Theaterstücken oder Filmen und wir fragen uns, warum welche Figur wie handelt, warum sie tut was sie tut, wir versetzen uns in die Rolle und probieren was aus. Wir spielen. Wir können unser eigenes Ich in den Hintergrund treten lassen und in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen- und schauen, wie sich das anfühlt. Man kann sich selbst erfahren, indem man jemand anderen spielt.
Doris Schretzmayer, Schauspielerin

 

 

 

Marias Schwestern

 

In diesem Projekt portraitiert die Fotografin Irene Kernthaler-Moser in Zusammenarbeit mit ‚Grow Together‘ zwöf junge Frauen mit ihren Kindern, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden.

Dr. Katharina Kruppa verwendet diese Bilder in der therapeutischen Arbeit mit den Frauen, um so deren Selbstbild als Mutter zu stärken. Die Verbindung von Therapie und Kunst ist es hier, die Familien neue Blickfelder eröffnet.

 

 

Copyright Fotos: Irene Kernthaler-Moser
die Fotos entstanden in dankbarer Zusammenarbeit mit
link zu foto leutner

 

 

 

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